Hyänen: Warum Afrikas unterschätzte Jäger viel spannender sind als ihr Ruf
Lautes Lachen, krummer Rücken und immer auf der Suche nach den Resten anderer Raubtiere: Hyänen haben nicht gerade das beste Image. Dabei wird ihnen ihr Ruf als feige Aasfresser kaum gerecht. Sie sind anpassungsfähig, ausgesprochen unterschiedlich in ihrer Lebensweise und besiedeln Lebensräume von offenen Savannen bis zu trockenen Wüstenregionen.
Vier heute lebende Arten gehören zur Familie der Hyänen: Tüpfelhyäne, Braune Hyäne, Streifenhyäne und Erdwolf. Sie unterscheiden sich deutlich in ihrer Lebensweise und Ernährung. Besonders häufig begegnet man auf Safari der Tüpfelhyäne, die daher auch im Mittelpunkt dieses Artikels steht.
Die Hyänenfamilie: Vom Jäger bis zum Termitenspezialisten
Tüpfelhyäne: Sie ist die größte und auf Safari am häufigsten beobachtete Hyänenart. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich über weite Teile Afrikas südlich der Sahara. Tüpfelhyänen sind erfolgreiche Jäger und leben in großen, komplex organisierten Clans. Besonders bekannt sind sie aus den wildreichen Savannen Ostafrikas und zahlreichen Schutzgebieten im südlichen Afrika.
Braune Hyäne: Das lange, dunkle und zottelige Fell macht sie leicht von der Tüpfelhyäne unterscheidbar. Braune Hyänen leben vor allem in den trockenen Regionen des südlichen Afrikas, darunter in der Kalahari und der Namib. Sie sind überwiegend nachts aktiv und ernähren sich zu einem großen Teil von Aas sowie anderen verfügbaren Nahrungsquellen.
Streifenhyäne: Mit ihrem grauen Fell, den dunklen Streifen und der auffälligen Rückenmähne sieht sie noch einmal ganz anders aus. Ihr Verbreitungsgebiet reicht von Teilen Nord- und Ostafrikas über den Nahen Osten bis nach Asien. Streifenhyänen leben meist allein oder in kleinen Familienverbänden und sind überwiegend nachtaktiv.
Erdwolf: Der kleinste Vertreter der Hyänenfamilie fällt komplett aus dem üblichen Schema. Statt größere Beutetiere zu jagen oder sich hauptsächlich von Aas zu ernähren, hat er sich auf Termiten spezialisiert. Mit seiner langen Zunge kann er in einer Nacht Tausende der kleinen Insekten aufnehmen. Erdwölfe kommen in Teilen des östlichen und südlichen Afrikas vor und sind vorwiegend nachts unterwegs.
Die Tüpfelhyäne: Erfolgreiche Jäger statt bloße Aasfresser
Dass Tüpfelhyänen hauptsächlich darauf warten, Löwen ihre Reste abzunehmen, gehört zu den hartnäckigsten Safari-Mythen. Tatsächlich erlegen sie einen erheblichen Teil ihrer Nahrung selbst. Je nach Lebensraum und Beuteangebot jagen sie unter anderem Gnus, Zebras und verschiedene Antilopen. Dabei profitieren sie von ihrer enormen Ausdauer und können Beutetiere über längere Strecken verfolgen.
Aas verschmähen sie trotzdem nicht. Ein bereits verendetes Tier liefert schließlich Nahrung, ohne dass Energie und Verletzungsrisiko einer Jagd anfallen. Dieses opportunistische Verhalten ist keine Schwäche, sondern eine ihrer großen Stärken.
Auch das Verhältnis zwischen Löwen und Tüpfelhyänen ist weniger eindeutig, als ihr Ruf vermuten lässt. Beide Arten jagen selbst und beide nutzen die Beute des jeweils anderen, wenn sich die Gelegenheit bietet. Wer wem eine Mahlzeit abnimmt, hängt unter anderem von der Anzahl und Stärke der beteiligten Tiere ab.
Im Hyänenclan haben die Weibchen das Sagen
Das ausgeprägte Clanleben ist vor allem für Tüpfelhyänen charakteristisch. Ihre Gemeinschaften können mehrere Dutzend Tiere umfassen und besitzen eine klare Rangordnung. An deren Spitze stehen Weibchen. Sie sind im Durchschnitt größer als die Männchen und dominieren diese.
Der soziale Rang beeinflusst unter anderem den Zugang zu Nahrung und sozialen Partnern. Junge Weibchen übernehmen ihre Stellung innerhalb der Hierarchie weitgehend von ihrer Mutter. Männchen verlassen dagegen meist nach Erreichen der Geschlechtsreife ihren Geburtsclan und schließen sich einer anderen Gruppe an.
Das Zusammenleben ist entsprechend komplex. Verwandtschaft, soziale Beziehungen und Bündnisse spielen eine wichtige Rolle. Gerade dieses ausgeprägte Sozialleben macht Tüpfelhyänen zu besonders spannenden Beobachtungen auf Safari.
Warum Tüpfelhyänen “lachen”
Auch das berühmte “Lachen” ist vor allem mit der Tüpfelhyäne verbunden. Das hohe, kichernde Geräusch bedeutet allerdings nicht, dass das Tier etwas lustig findet. Es gehört zu einem umfangreichen Repertoire verschiedener Lautäußerungen und tritt unter anderem in angespannten sozialen Situationen auf.
Daneben nutzen Tüpfelhyänen langgezogene Rufe, die über mehrere Kilometer zu hören sein können. Sie ermöglichen es Mitgliedern eines Clans, auch über größere Entfernungen miteinander in Kontakt zu bleiben. Körperhaltung und Gerüche ergänzen die Kommunikation.
Bestens an ihre Lebensweise angepasst
Mit ihrem kräftigen Vorderkörper und dem nach hinten abfallenden Rücken wirken Tüpfelhyänen etwas ungewöhnlich proportioniert. Ihr Körperbau ist jedoch bestens an ihre Lebensweise angepasst.
Besonders beeindruckend sind ihre Kiefer und Zähne. Tüpfelhyänen können selbst große Knochen aufbrechen und Bestandteile eines Kadavers verwerten, die für viele andere Raubtiere kaum zugänglich sind. Dadurch bleiben von einer Mahlzeit oft nur wenige Reste zurück.
Zusammen mit ihrer Fähigkeit, unterschiedlichste Nahrungsquellen zu nutzen, trägt dieser kräftige Körperbau dazu bei, dass Tüpfelhyänen in sehr unterschiedlichen Lebensräumen zurechtkommen.
Wo lassen sich Hyänen auf Safari beobachten?
Welche Hyänenart sich beobachten lässt, hängt stark von der Reiseregion ab. Die besten Chancen bestehen bei der Tüpfelhyäne. Braune Hyänen und Erdwölfe sind deutlich schwieriger zu entdecken, während Streifenhyänen in den für Safaris besonders bekannten Regionen des östlichen und südlichen Afrikas kaum zu beobachten sind.
Masai Mara, Kenia: Tüpfelhyänen gehören fest zur Raubtierwelt der Masai Mara. Die großen Wildbestände bieten ihnen reichlich Nahrung, und in den offenen Landschaften lassen sich die Tiere regelmäßig beobachten.
Serengeti und Ngorongoro, Tansania: Auch die Serengeti zählt zu den klassischen Gebieten für Tüpfelhyänen. Besonders im Ngorongoro-Krater sorgen hohe Wildtierdichten für gute Beobachtungschancen.
Okavangodelta und Nordbotswana: Im Okavangodelta und weiteren Schutzgebieten im Norden Botswanas sind Tüpfelhyänen weit verbreitet. Auch Erdwölfe kommen in Botswana vor, sind aufgrund ihrer überwiegend nächtlichen Lebensweise aber wesentlich schwieriger zu entdecken.
Kalahari, Botswana und Südafrika: Die trockenen Landschaften der Kalahari bieten Chancen auf gleich mehrere Mitglieder der Hyänenfamilie. Neben Tüpfelhyänen leben hier Braune Hyänen und Erdwölfe. Vor allem die beiden letzteren sind überwiegend nachts aktiv und entsprechend seltener zu sehen.
Namibia: Namibia gehört zu den interessanten Reisezielen für Braune Hyänen. Sie kommen in den trockenen Landschaften des Landes und sogar entlang der Namibküste vor. Auch Erdwölfe sind in Namibia heimisch, werden auf Safari jedoch deutlich seltener beobachtet.
Warum sich ein zweiter Blick auf Hyänen lohnt
Löwen, Leoparden und Geparden stehen auf vielen Safari-Wunschlisten ganz oben. Hyänen finden dort dagegen oft weniger Beachtung. Dabei reicht ihre Bandbreite vom erfolgreichen Großwildjäger über den nächtlichen Aasverwerter bis zum Termitenspezialisten.
Besonders die häufig zu beobachtende Tüpfelhyäne überrascht mit ihrem komplexen Sozialleben, ihrer ausgeprägten Kommunikation und ihren Fähigkeiten als Jäger. Braune Hyänen, Streifenhyänen und Erdwölfe zeigen wiederum, wie unterschiedlich sich Mitglieder derselben Tierfamilie an ihre Lebensräume und Nahrungsquellen angepasst haben.
Wer Hyänen auf Safari nicht nur als Statisten einer Löwensichtung betrachtet, entdeckt deshalb eine Tierfamilie, die deutlich spannender ist als ihr Ruf.





